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1. Podiumsdiskussion im Meisterhaus in Dessau 

                            Luftbildaufnahme Bauhaus Dessau                                                 Walter Scheiffele

Dr. Walter Scheiffele wurde 1946 geboren in Eggenfelden. Er lebt heute in Berlin. Der Grafikdesigner und Kulturhistoriker begann seine Ausbildung 1968-1970 mit einem Grafikstudium in München. Es folgten Aufbaustudien an der Nachfolgeinstitution der HfG Ulm, Institut für Umweltplanung 1970-72 und SHfBK Braunschweig 1972-74. Dann wissenschaftlicher Assistent an der HdK Berlin von 1977 bis 1990 als Mitarbeiter am Forschungs- schwerpunkt Theorie und Geschichte von Bau, Raum, Alltagskultur. 1991 Promotion an der Universität Bremen. Seitdem wirkt er als freiberuflicher Grafikdesigner, Lehrbeauftragter an der Hochschule für Kunst und Design in Halle und derzeit als Gastprofessor an der KHB- Weißensee.

"bauhaus junkers sozialdemokratie - ein kraftfeld der moderne"

Die 1. Podiumsdiskussion fand am 13. Juni 2003 im Meisterhaus Schlemmer statt und zum Auftakt wurde, entsprechend dem beabsichtigten Themenkreis für die Podiumsreihe, das Buch von Herrn Dr. Walter Scheiffele präsentiert. Mit seinem einführenden Vortrag führte der Autor der Publikation anschaulich in das Spannungsfeld dieser drei Bezugsebenen ein. Herrn Dr. Walter Scheiffele gelang eine wichtige und bemerkenswerte Studie. Sie vermittelt einen Überblick zum politischen und wirtschaftlichen Bezugsrahmen, in dem das Bauhaus nach Dessau kam, dort wirksam wurde und weltweit ausstrahlte, aber nach wenigen Jahren von der politischen Rechten auch wieder zerstört wurde. Dass der Autor das Bauhaus nicht allein in den Mittelpunkt stellt, sondern ebenso stark die Leistungen der Siedlungsbaubewe- gung aufzeigt, zugleich die Rolle von Junkers und der Flugzeugindustrie herausstellt sowie die Bestrebungen der sozialdemokratischen Partei unter Heinrich Peus im Kontext mit dem Oberbürgermeister Fritz Hesse herausarbeitet, macht den Wert dieser Untersuchung aus. Seine umfangreichen Kenntnisse aus den Untersuchungen und deren visuelle Präsentation verdeutlichten überzeugend, welch enge Beziehungen zwischen Stadt, Bauhaus, Junkers und den führenden Vertretern der sozialdemokratische Partei in jener Zeit bestanden und dazu führten, dass Kunst, Industrie und Politik miteinander einen wesentlichen Beitrag für die Entstehung der "Dessauer Moderne" leisteten.
Zur Teilnahme am Dialog wurden Vertreter des Bauhauses, des Junkers-Museums und der sozialdemokratischen Partei Dessaus sowie der FH Anhalt eingeladen. Das Podium im Meisterhaus zur Präsentation des Buches durch den Autor und die folgende Debatte mit den heutigen Interessenvertretern der Institutionen belegte, wie wichtig die Hinweise auf die Verflechtungen für den Erfolg waren und noch sind.

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Walter Scheiffele - Publikationen:

  bauhaus, junkers, sozialdemokratie- ein kraftfeld der moderne Walter Scheiffele, Berlin 2003
     
  Wilhelm Wagenfeld und die moderne Glasindustrie Walter Scheiffele, Stuttgart 1994
     
    Siemens-150 Jahre Elektrifizierung. Eine synchronoptische Darstellung Joachim Krause und Walter Scheiffele, Berlin 1997
     
  Bauhaus Dessau, Das Gebäude Helmuth Erfurth, Walter Scheiffele, Elisabeth Tharandt Dessau 1998

Rezensionen zu Walter Scheiffele:

Als das Weimarer Bauhaus 1925 nach Dessau kommt, beginnt dort eine neue Ära für das ebenso berühmte wie umstrittene Institut. Wird das Bauhaus ein BAUhaus? Kann es sein Programm einer "Einheit von Kunst und Technik" realisieren?

In Dessau entwickelt sich eine Konstellation, in der Kunst, Industrie und Politik aufeinander wirken. Ein Kraftfeld der Moderne entsteht. Neben dem liberalen Oberbürgermeister Fritz Hesse drängt vor allem der Führer der sozialdemokratischen Partei, Heinrich Peus, auf eine Modernisierung der Stadt. Er sorgt zusammen mit Hesse dafür, dass das Bauhaus nach Dessau kommt, und er schafft einer zweiten Fraktion der Moderne um Adolf Loos den Spielraum für gestalterische Experimente. Der Flugzeugkonstrukteur Hugo Junkers gibt mit seinen Fabriken das Beispiel einer innovativen Technik, die den Künstlern am Bauhaus nicht nur Vorbild ist, sondern die selbst in Wettbewerb mit den Künsten tritt.

"Act local - think global", diese Parole Buckminster Fullers könnte auch für die Sozialdemokraten um Heinrich Peus gelten. Sie handeln pragmatisch, organisieren Konsumvereine, Volkshäuser und den Siedlungsbau und bewahren sich doch ein utopisches Denken, in dem ebenso Platz für eine neue Weltsprache ist wie für das Bauhaus als eine "Kathedrale des Sozialismus". Die Phantasien der Reformer werden beflügelt durch die "vergnügt am Himmel schwirrenden Junkersflugzeuge" (Ilja Ehrenburg), die in diesen Jahren ein weltumspannendes Luftverkehrsnetz bilden. Hugo Junkers' "Fabrik für technische Neuerungen" bringt nicht nur die modernsten Flugzeuge hervor, sie ist, darin dem Bauhaus vergleichbar, ein Laboratorium, in dem vom Flugzeug bis zum Metallhaus geforscht wird. Gropius will mit Junkers eine Hausfabrik realisieren und der Bauhausschüler Siegfried Ebeling entwickelt bei ihm seine zukunftsweisenden Ideen vom "Raum als Membran".

"Bauhaus und Hausbau" wird zu einem Leitthema der Dessauer Moderne und Dessau-Törten ein Ort, wo die Entwürfe der Avantgarde miteinander konkurrieren. Wird das Haus der Zukunft fordistisch (Walter Gropius), technisch-wissenschaftlich (Hugo Junkers), energetisch (Siegfried Ebeling) oder ökologisch (Leopold Fischer, Leberecht Migge) sein?

In diesem Kraftfeld agiert das Bauhaus sieben Jahre lang bis die Reformkräfte, die gemeinsam das Beispiel einer sozialen, technischen und künstlerischen Moderne in Dessau gegeben haben, an ihren Widersachern scheitern. Die Politik, die der Kultur und Technik Freiräume geöffnet hatte, schließt diese wieder. Im Kraftfeld Dessaus ändern sich die Vorzeichen.

304 Seiten 170 Abbildungen 39,90 EUR ISBN 3-935053-02-9 Bestellung bei: form+zweck Dorotheenstr. 4 12557 Berlin T: +49 30 655 57 22
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Der Traum des Ingenieurs Angesichts der unübersehbaren Fülle der Literatur zum Bauhaus erstaunt, dass es noch weiße Flecken geben sollte. Einen und noch dazu bemerkenswert großen hat jetzt Walter Scheiffele ausgefüllt. In seiner Studie "bauhaus junkers sozialdemokratie, ein kraftfeld der moderne" (ja, alles in gewöhnungsbedürftiger Kleinschreibung!) untersucht er den politischen und wirtschaftlichen Bezugsrahmen, in dem das Bauhaus nach Dessau kam, reüssierte und nach wenigen Jahren von der politischen Rechten auch wieder zerstört wurde. Dass der Autor das Bauhaus durchaus nicht in den Mittelpunkt rückt, sondern mindestens ebenso stark die Siedlungsbaubewegung auf der einen Seite und die Flugzeugindustrie auf der anderen, macht den Wert seiner materialreichen Untersuchung aus. Es zeigt sich, dass Bauhausgründer und -propagandist alter Gropius die öffentliche Meinung zumal nach 1945 weit stärker prägen konnte, als es den Dessauer Verhältnissen entsprach. Eindrucksvoll gerät dem Autor die Skizze des Unternehmers Hugo Junkers, dessen Flugzeuge Mitte der zwanziger Jahre die deutsche Verkehrsluftfahrt begründeten, der aber schon damals von den Rüstungsplänen der Reichswehr und dann sofort ab 1933 von denen der Nazis rüde beiseite gedrängt und schließlich gar enteignet wurde - ein technokratischer Idealist, in dessen Person weit eher als in derjenigen von Gropius die Fortschrittsutopien seine Zeit Gestalt gewannen. Bedrückend ist der politische, von hässlichstem Antisemitismus begleitete Niedergang Dessaus bereits Ende der zwanziger Jahre - ein Versuchsfeld für das, was der Weimarer Republik 1933 widerfuhr. Scheiffeles Buch ist zweifellos eine der wichtigsten neueren Studien nicht allein zum Bauhaus, sondern zur Industriekultur der zwanziger Jahre überhaupt."

Bernhard Schulz in einer Rezension für den Tagesspiegel

Walter Scheiffele, bauhaus junkers sozialdemokratie, ein kraftfeld der moderne, form+zweck verlag, Berlin 2003, 304 S. m. 170 Abb., kt. 39 EUR

"walter scheiffele bauhaus junkers sozialdemokratie ein kraftfeld der moderne"

Als das Bauhaus 1925 nach Dessau kommt, beginnt dort eine neue Ära für das ebenso berühmte wie umstrittene Institut. Die Zeit der Manifeste ist vorbei. Kann Walter Gropius die von ihm propagierte "Einheit von Kunst und Technik" realisieren? Wird das Bauhaus ein BAUhaus? In Dessau bildet sich eine Konstellation, in der Kunst, Industrie und Politik aufeinander wirken. Ein Kraftfeld der Moderne entsteht. Neben dem liberalen Oberbürgermeister Fritz Hesse drängt der Führer der sozialdemokratischen Partei, Heinrich Peus, auf eine Modernisierung der Stadt. Vorbild dafür sind die Fabriken von Hugo Junkers, die technische Neuerungen vom Flugzeug bis zum Metallhaus hervorbringen. Mit Junkers will Gropius eine Hausfabrik realisieren, und der Bauhausschüler Siegfried Ebeling entwickelt unter seiner Regie zukunftsweisende Ideen vom "Raum als Membran".
"Bauhaus und Hausbau" wird zu einem Leitthema der Dessauer Moderne, und Dessau-Törten ist der Ort, wo die Entwürfe der Avantgarde miteinander konkurrieren. Wird das Haus der Zukunft fordistisch (Gropius), technisch-wissenschaftlich (Junkers), energetisch (Ebeling) oder ökologisch (Loos, Fischer, Migge) sein? Bei allem Bezug zur Realität bleibt diesen Entwürfen ein Überschuß ins Utopische, der das Interesse an ihnen bis heute wach hält.

304 Seiten, 170 Abb. ISBN 3-935053-02-9 EUR 39,90