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7. Podiumsdiskussion im Meisterhaus in Dessau

Ernst Kallái und das Bauhaus

Kallai Porträt

Als wenig konfliktscheuer Diskutant avantgardistischer Werte und Vorstellungen rückt Ernst Kállai (1890 – 1954) zunehmend ins Visier heutiger Kunst und Forschung. Anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung des Bauhauses in Weimar waren vor allem seine vielschichtigen Bezüge zum Bauhaus in Dessau von Interesse für die Teilnehmer der Podiumsrunde.

Das Podium fand am 20.05.2009 im Meisterhaus Muche in Dessau  statt und wurde von Herrn Günter Höhne, Vorstandsvorsitzender des Bauhaus Dessau e.V., eröffnet. Einen Überblick zum Leben und Werk von Ernst Kallái und Lesung ausgewählter Texte aus seinen Schriften erfolgte durch die Kunsthistorikerin und Ethnologin,

Frau Monika Wucher

Sie lebt und arbeitet in Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte und Veröffentlichungen liegen in den Bereichen neuer Medien, sozialer Kunst und Kunsttheorien der Moderne sowie der Gegenwart. Projektarbeiten und Publikationen in Kooperation mit zahlreichen transnationalen Initiativen und Institutionen u. a. im östlichen Europa, darunter die Schriftenausgabe Ernst Kállai (seit 1999) und das Journal for Northeast Issues (seit 2002).

Eine Gesamtausgabe der Schriften von Ernst Kallái durch die Ungarische Akademie der Wissenschaften liegt in mehreren Bänden vor und wurde vorgestellt. Bei dem mehrjährigen Projekt war Frau Monika Wucher für die deutschsprachigen Schriften zuständig. Durch ihr fundiertes Wissen über den ungarischen Kunsthistoriker erklärte sie anschaulich, wie Kállai einige wesentliche Aspekte der Auseinandersetzungen um die neue Kunst prägte und schon bald nach dem Ersten Weltkrieg in Konstruktivistenkreisen aktiv und anerkannt war. Vor allem seine vielschichtigen Bezüge zum Dessauer Bauhaus sind anlässlich des Jubiläumsjahres 2009 wichtig und in ausgewählten Texten wurde seine Widerpruchsfreude aufgezeigt. Eine besonders schillernde Funktion hatte er in seiner Tätigkeit als Redakteur der Bauhaus-Zeitschrift eingenommen. Parallel zu einer engagierten, diskursiven Darstellung und Vermittlung der Arbeit der Kunstschule ging es Kállai um eine "skeptisch-spielerische Widerspruchsfreude" am Bauhaus. Vorgestellt wurden Schriften des Kunsttheoretikers, die das Bauhaus vertreten, aber auch solche, in denen er Kritik übt.

Ernst Kallai: Vision und Formgesetz

Herr Thöner von der Stiftung Bauhaus Dessau brachte Kopien von den beiden Heften der Bauhaus- zeitschrift mit, für die Kallái als Schriftleiter tätig war. Als ein sachkundiger Gesprächsteilnehmer war Herr Helmut Erfurth gekommen. Er brachte die Kopie eines unbekannten Briefes von Ernst Kallái an Prof. Junkers mit und übergab diesen Frau Wucher.

Der Teilnehmerkreis war, bedingt durch das lange Wochenende, nicht sehr groß, aber der lebhafte Meinungsaustausch in der Expertenrunde belegte die Aktualität der Postionen von Ernst Kallái für die heutige Meinungsfindung.