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Forum „Die Moderne denken“ 1991 und 1992

Mit dem Verschwinden jener Gesellschaften, die im Spannungszusammenhang der Modernisierung auseinander gebrochen sind, ist das Nachdenken über die Möglichkeit der Moderne nicht hinfällig, sondern dringlicher geworden. „Die Moderne denken“ war ein Projekt, dies vor dem Hintergrund der Grundsätze des Bauhaus Dessau e.V. auszuloten. Es war angelegt als ein interdisziplinäres Gespräch zu zivilisationstheoretischen, zeitlichen, räumlichen, gegenständlichen und methodischen Aspekten der Moderne.
Die Teilnehmer waren eingeladen, ihre Auffassungen darzulegen, welcher aufzuarbeitender Bestand der Moderne in eine aufhebbare Substanz transformiert werden kann. Es war ein Versuch, die Moderne nicht zu redigieren, sondern unter Beachtung der gesellschaftlichen Veränderungen Aspekte für künftiges Denken zur Moderne aufzuzeigen. Die Vorträge sind Zeugnisse wider- sprüchlichen Einverständnisses und gesuchter Distanz.
Initiative und Leitung zweier Seminare im Frühjahr 1991 und Juni 1992 lagen bei Chup Friemert.

Das Projekt wurde bei form + zweck veröffentlicht. 

Podiumsdiskussionen im Meisterhaus

  1. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 13.06.2003
    bauhaus junkers sozialdemokratie – ein kraftfeld der moderne
  2. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 25.06.2004
    Richard Paulick Ein Architekt und Städtebauer zwischen Bauhausidee und realem Sozialismus
  3. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Paul Klee 24.06.2005
    Form und Technik der Dessauer Moderne
  4. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Paul Klee 30.06.2006
    Leopold Fischer. Siedlung Knarrberg
  5. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 08.06.2007
    Die öffentliche Bauhaus-Rezeption in der DDR-Kultur- und Designpolitik
  6. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 25.06.2008
    Günter Höhne. Das große Lexikon DDR-Design
  7. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Georg Muche 20.05.2009
    Monika Wucher. Beiträge von Ernst Kallái zum Bauhaus in den Schriften des Kunsttheoretikers
  8. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Georg Muche 26.05.2010
    Denkmale der Moderne des Architekten Leopold Fischer im Anhalt der Zwanziger Jahre
  9. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Georg Muche 25.05.2011
    Helmut Erfurth. Junkers, das Bauhaus und die Dessauer Moderne
  10. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Georg Muche 12.10.2012
    Bauhaus-Idee und Zukunft der Moderne
  11. Podiumsdiskussion im Bauhaus 18.06.2014
    Dr. Uta Karin Schmitt. Innovative Konzeptionen zwischen Wohnmaschine und Plattenbau.
    Wolfgang Thöner. Der stille Praktiker im Hintergrund. Carl Fieger in den Bauhaus-Debatten um eine neue Architektur.

1. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 13.06.2003

bauhaus junkers sozialdemokratie – ein kraftfeld der moderne

Walter Scheiffele präsentierte im Meisterhaus Oskar Schlemmer in einem einführenden Vortrag seine Publikation und führte in das Spannungsfeld dieser drei Bezugsebenen ein. Er vermittelte einen Überblick zum politischen und wirtschaftlichen Bezugsrahmen, in den das Bauhaus nach Dessau kam, dort wirkte und weltweit ausstrahlte, aber nach wenigen Jahren von der politischen Rechten auch wieder zerstört wurde. Neben das Bauhaus stellte der Autor die Leistungen der Siedlungsbaubewegung, die Bedeutung von Junkers und der Flugzeugindustrie, die Bestrebungen der SPD unter Heinrich Peus und die Leistungen des Oberbürgermeisters Fritz Hesse. Dieses Beziehungsgeflecht aus Kunst, Industrie und Politik brachte die „Dessauer Moderne“ hervor.

2. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 25.06.2004

Richard Paulick Ein Architekt und Städtebauer zwischen Bauhausidee und realem Sozialismus

Jens Ebert war Mitarbeiter von Richard Paulick. Er ordnete dessen persönlichen Nachlass und gab eine Übersicht zu dessen Tätigkeit in den Jahren 1950 bis 1979 in der DDR. Das Schaffen von Richard Paulick als Baumeister mit seinen Bauten für die Stalinallee in Berlin oder die Tätigkeit als Chefarchitekt von Hoyerswerda, Schwedt und Halle-Neustadt sowie den Bauten des Lindenforums in Berlin war Gegenstand der Veranstaltung im Meisterhaus Wassily Kandinsky.

3. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 24.06.2005

Form und Technik der Dessauer Moderne

Diese Veranstaltung mit dem Titel „Form und Technik“ im Meisterhaus Paul Klee eröffnete die Themenreihe „Dessauer Moderne“. Im einführenden Vortrag beleuchtete Walter Scheiffele die Wechselwirkung zwischen dem Bauhaus und den Junkerswerken. Die Ideenschmiede Hugo Junkers, dessen Denkansätzen sowie die modernen Technologien in den Produkten und der Produktion der Junkerwerke und die Gestalter des Bauhauses mit ihren neuartigen Produktideen und Materialversuchen inspirierten sich in jener Zeit wechselseitig.

Das Podium wurde gemeinsam von der Stiftung „Bauhaus und Gegenwart“, dem Verein Junkersmuseum Dessau und der Hochschule Anhalt (FH) veranstaltet.

4. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Paul Klee 30.06.2006

Leopold Fischer. Siedlung Knarrberg

Im Mittelpunkt der 4. Podiumsdiskussion stand die Tätigkeit des Architekten Leopold Fischer in Anhalt. In zwei einführenden Vorträgen und im nachfolgenden Podiumsgespräch wurden die Siedlungen und Bauten des Architekten Fischer für den Anhaltischen Siedlerverband vorgestellt, im Besonderen die Siedlung Knarrberg in Dessau-Ziebegk, deren Planung gemeinsam mit Leberecht Migge erfolgte. Der Gartenreformer Migge entwickelte den Wohn- und Nutzgarten und der Architekt Fischer verwirklichte die Konzeptionen seines Wiener Lehrmeisters Adolf Loos für Gartensiedlungen und verband sie mit rationellem Hausbau. Diese Siedlung ist als erstes ökologisches Siedlungsprojekt zu bewerten. Das Podium veranstalteten die Stiftung „Bauhaus und Gegenwart“, der Freundeskreis aus der Knarrbergsiedlung und die Hochschule Anhalt (FH) gemeinsam.

5. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 08.06.2007

Die öffentliche Bauhaus-Rezeption in der DDR-Kultur- und Designpolitik

Foto: Klaus Becker, Hamburg

Günter Höhne widmete sich unter den Stichworten „Bauhaus-Rezeption“ und „Bauhaus Dessau“ der offiziellen DDR-Kulturpolitik zwischen den 1950er und 1980er Jahren, die zur Verunglimpfung des Bauhauserbes und ehemaliger Bauhäusler in der DDR der 1950er und 1960er Jahre führten. Er verwies gleichwohl auf die innovative, anregende und international wirksame Funktion, die Seminare und Workshops am rekonstruierten Bauhaus Dessau ab Ende der 1970er Jahre ausübten. Anwesende Zeitzeugen der Auseinandersetzungen legten dar, daß Aneignung und Bewahrung der Bauhaus-Didaktik an den Gestaltungshochschulen der DDR immer eine große Bedeutung hatten.

Joachim Krausse verwies darauf, daß „wertekonservative“ Vertreter in der Architekten- und Designerschaft, vor allem aber in der Politik in beiden Teilen Deutschlands sich in der Ablehnung des progressiven Schaffens des Bauhauses lange Zeit einig waren. Während in der DDR bis Anfang der 1960er Jahre das Bauhaus totgeschwiegen worden sei, habe man zur gleichen Zeit in der BRD dessen Nachfolge-Schule, die HfG Ulm, gemeuchelt.

6. Podiumsdiskussion im Meisterhaus 25.06.2008

Günter Höhne. Das große Lexikon DDR-Design
Einführung in das Buch und Lesung durch den Autor

Foto: Klaus Becker, Hamburg

Unter den Stichworten „Bauhaus-Rezeption“ und „Bauhaus Dessau“ widmete sich Günter Höhne dem schwierigen Umgang der offiziellen DDR-Kulturpolitik zwischen den 1950er und 1980er Jahren mit der Geschichte und der Bedeutung des Wirkens des Bauhauses in Weimar und Dessau, aber auch der innovativ-anregenden und international wirksamen Funktion, die Seminare und Workshops am rekonstruierten Bauhaus Dessau ab Ende der 1970er Jahre ausübten. Auszüge aus dem Buch boten Stoff für eine Diskussion unter den Anwesenden, die teils Zeitzeugen der Auseinandersetzungen um das Bauhauserbe waren.

Prof. Dr. Joachim Krausse wies auf Parallelen in der Bauhaus-Rezeption in beiden Teilen Deutschlands hin. Hier wie da seien es „wertekonservative“ Vertreter der herrschenden bzw. tonangebenden Schichten in der Architekten- und Designerschaft, aber vor allem auch in der Politik gewesen, die sich in der Ablehnung des progressiven Schaffens des Bauhauses lange Zeit einig waren. Während in der DDR bis Anfang der 1960er Jahre das Bauhaus totgeschwiegen worden sei, habe man zur gleichen Zeit in der BRD dessen Nachfolge-Schule, die HfG Ulm, gemeuchelt.

7. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Georg Muche 20.05.2009

Monika Wucher. Beiträge von Ernst Kallái zum Bauhaus in den Schriften des Kunsttheoretikers

Auf der 7. Podiumsdiskussion gab Monika Wucher einen Einblick in das Leben und Werk des aus Ungarn stammenden Kunsttheoretikers, der schon bald nach dem Ersten Weltkrieg in Konstruktivistenkreisen aktiv war. Sie zeigte, wie Kállai einige wesentliche Aspekte der Auseinandersetzungen um die neue Kunst prägte. Vor allem hob sie seine vielschichtigen Bezüge zum Dessauer Bauhaus hervor. Eine besonders schillernde Funktion hatte er als Redakteur der Bauhaus-Zeitschrift eingenommen. Parallel zu einer engagierten, diskursiven Darstellung und Vermittlung der Arbeit der Kunstschule praktizierte Kállai in dieser Position eine „skeptisch-spielerische Widerspruchsfreude“ am Bauhaus. Die ausgewählten Texte, solche, in denen er das Bauhaus vertrat und solche, in denen Kritik aufscheint, zeigten diese Widerspruchsfreude.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde die von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest publizierte, aktuelle Buchausgabe präsentiert, die das theoretische Werk Kállais erstmals gesammelt zugänglich macht.

8. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Georg Muche 26.05.2010

Denkmale der Moderne des Architekten Leopold Fischer im Anhalt der Zwanziger Jahre

Auf dem 8. Podium stellten Autoren des, vom Bauhaus Dessau e.V. herausgegebenen Buches „ Leopold Fischer – Architekt der Moderne“ in ihren Beiträgen bedeutende Fischer-Bauten in Anhalt vor: Frank Wolter berichtete über die Knarrbergsiedlung und Juliane Vierich über die Villa Liebig in Dessau, Sandra Striebing über die Siedlung und Peter Koitzsch über das Konsumgebäude in „Zickzackhausen“ in Bernburg.

Eine anschließende Diskussion mit Bewohnern von Fischerbauten behandelte Vorschläge für den Eintrag als Denkmal der Moderne in das deutsche „DOCOMOMO – Register“.

9. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Georg Muche 25.05.2011

Helmut Erfurth. Junkers, das Bauhaus und die Dessauer Moderne

Helmut Erfurth stellte seine umfangreiche Dokumentation “Junkers, das Bauhaus und die Moderne““ vor und belegte anschaulich und überzeugend den Beitrag, den unterschiedliche Akteure in Dessau zur Moderne leisteten.

In einer anschließenden Diskussion erörterten Vertreter der Fachhochschule Anhalt, welche Aspekte des Ausbildungskonzeptes des historischen Bauhauses heute noch relevant sein könnten.

10. Podiumsdiskussion im Meisterhaus Georg Muche 12.10.2012

Bauhaus-Idee und Zukunft der Moderne

Die Podiumsveranstaltung behandelte die Frage der Weiterführung und Ausrichtung des Veranstaltungsformats. im Gespräch plädierten Chup Friemert und Walter Scheiffele für eine neue Themenreihe „Zukunft der Moderne“. Seit 20 Jahren war zwar der eigene regionale Projektansatz erfolgreich, aber der fachliche Nachwuchs nahm nicht teil. So sollen künftig mehr Studierende aus verschiedenen Orten bei der Diskussion zu Fragen der Moderne einbezogen werden. Die Form der Podien ist offen, sie könnte sich zwischen Salonveranstaltung, Provokation oder Zusammenarbeit mit der Stiftung bewegen. Auch könnten die Veranstaltungen auch anderswo als in Dessau stattfinden.

11. Podiumsdiskussion im Bauhaus 18.06.2014

Dr. Uta Karin Schmitt. Innovative Konzeptionen zwischen Wohnmaschine und Plattenbau.
Wolfgang Thöner. Der stille Praktiker im Hintergrund. Carl Fieger in den Bauhaus-Debatten um eine neue Architektur.

(Bild fehlt noch)

Uta Karin Schmitt zeigte in einem kurzen Aufriß das eigenständige, breit gefächerte Schaffen von Carl Fieger auf, der im Kontext des Bauhauses mit seinem Wohnhaus in der Siedlung Törten und der Gaststätte Kornhaus an der Elbe zwei bemerkenswerte Bauten der Moderne in Dessau entworfen hatte. Neben seiner freien gestalterischen Tätigkeit, brachte Carl Fieger sein zeichnerisches wie entwerferisches Talent als langjährigster Mitarbeiter im Architekturbüro Walter Gropius` ein. Nach 1933 wurde ihm die Aufnahme in die Reichskulturkammer verwehrt, er arbeitet unbezeichnet in Büros. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Deutschen Bauakademie in Ost-Berlin behielt Carl Fieger seine schon früh auf industrielles Bauen ausgerichteten Konstruktionsprinzipien bei und entwarf 1953 einen architekturgeschichtlich wie bautypologisch bedeutenden Plattenbau.

Wolfgang Thöner stellte den „stillen“ Fieger vor, der als exzellenter Zeichner vor allem im Büro Gropius in den zwanziger Jahren an vielen ikonischen Bauten der Moderne beteiligt war.

Im Anschluß an das Podium wurde der Carl-Fieger-Preis zum letzten Mal vergeben.